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Vorbereitet für den Wettlauf gegen die Uhr

Im Einsatz gegen den Herzinfarkt zählt jede Minute – und es braucht ein koordiniertes Vorgehen. Wieso das so ist, erklärt Prof. Dr. med. Rolf Vogel, Chefarzt Kardiologie soH, im Gespräch mit impuls.

 

Rolf Vogel, ein überstandener Herzinfarkt ist ein einschneidendes Ereignis für die Betroffenen. Wie reagieren diese darauf?

Sehr unterschiedlich: Einige stecken selbst einen schweren Infarkt ohne Weiteres weg. Andere wirft schon ein wesentlich einfacherer völlig aus der Bahn. Allen Charaktertypen gemeinsam sind die damit verbundenen physischen Leiden, also Atemnot, Schmerzen in verschiedenen Körperteilen oder Übelkeit. Diese Beschwerden müssen vorrangig beseitigt werden.

 

Wie behandeln Sie diese Fälle?

Ein Infarkt verläuft in Phasen: Es gilt abzuklären, ob die unterbrochene Blutversorgung mechanisch durch Katheter wieder in Gang gesetzt werden soll, was in der Regel zutrifft, oder ob eine rein medikamentöse Therapie ausreicht. Dringende Fälle kommen unverzüglich in das Herzkatheterlabor. Dort werden die verstopften Gefässe mechanisch geöffnet. Danach muss immer eine optimale medikamentöse Therapie folgen; diese hängt jedoch wieder vom Einzelfall ab.

Prof. Dr. med. Rolf Vogel: «Landesweit können die soH-Kliniken sehr gute Interventionszeiten vorweisen.»

Betroffene zu retten, wird oft als Wettlauf gegen die Uhr umschrieben. Wie sieht Ihr Zeitfenster aus?

Entscheidend ist die unverzügliche Übermittlung der jeweiligen Herzstromkurve, die der Rettungsdienst dem diensthabenden Kardiologen aus der Ambulanz sendet. So können wir wertvolle Zeit sparen. Nach dem Eintreffen benötigen wir 20 Minuten, um das Labor hochzufahren, dann sind wir für den Eingriff bereit. Landesweit können die soH-Kliniken sehr gute Interventionszeiten vorweisen. Wesentlicher Grund dafür ist, dass der Rettungsdienst, verglichen mit anderen Spitälern, Bestandteil unseres Spitals ist.

Wie lange dauert der Heilungsprozess?

An unsere Behandlung schliesst sich der zwölfwöchige Rehabilitationsprozess an. Auch dieser muss individuell an den Patienten angepasst werden: Wer einen kleineren Infarkt hinter sich hat, kann oft schon nach zwei Tagen das Spital verlassen und möglicherweise seine Arbeit wieder aufnehmen. Schwere Fälle brauchen bis zu zehn Tage. Auf jeden Fall achten wir darauf, dass die ambulante Rehabilitationsphase so schnell wie möglich beginnt. Leider lässt sich der vorherige Gesundheitszustand nicht immer völlig wiederherstellen.

Wer begleitet die Rehabilitation?

Entweder übernehmen wir das oder niedergelassene Kardiologen. Im nächsten, entscheidenden Schritt kümmert sich der Hausarzt um die Betreuung, sein Einsatz ist von überragender Bedeutung. Danach sollte der Patient eine stabile körperliche Leistungsfähigkeit erreicht haben. Diese ist bestenfalls auf gleichem Niveau wie zuvor, sie kann jedoch nach einem grossen Infarkt auch geringer ausfallen. Manchmal erbringen die Betroffenen jedoch sogar bessere Leistungen als zuvor, weil ihr Herz jetzt besser mit Blut versorgt wird, sie ihren Lebensstil geändert haben und regelmässig trainieren.

Letztes Jahr wurde ein zweites Herzkatheterlabor eröffnet. Welchen Einfluss haben die Labore auf die Versorgung der

Bevölkerung bei Herznotfällen?

Beide Labore übernehmen unterschiedliche Funktionen: Im ersten finden ausschliesslich Koronareingriffe bei Angina Pectoris oder Herzinfarkten statt. Das zweite Herzkatheterlabor wird vorwiegend für geplante Eingriffe bei Herzrhythmusstörungen und für spezielle strukturelle Eingriffe am Herzen eingesetzt. Damit kann die soH weitere Behandlungen anbieten, für die unsere Patientinnen und Patienten vorher nach Bern oder Basel reisen mussten.

Um die Effizienz im Kampf gegen Koronarerkrankungen zu steigern, arbeitet soH mit den Universitätsspitälern Bern und Basel zusammen. Wo liegen die Vorteile der Vernetzung?

Sie dient primär dem Wissenstransfer, denn auch auf diesem Gebiet schreitet die Wissensentwicklung zügig voran. Patienten, deren Fälle zu komplex sind, finden an den Universitätsspitälern Hilfe bei Partnern, die wir persönlich kennen. In Basel übernehmen soH-Ärzte zudem Eingriffe, die bei uns etwa wegen fehlender Infrastruktur nicht möglich sind. Wo die Patienten am besten aufgehoben sind, vermitteln wir ihnen über Beratung. Das letzte Wort zur Frage, wo die Behandlung

stattfinden soll, hat jedoch der Patient.

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