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Schon heute das wandlungsfähige Spital von morgen planen

Welche Bedingungen ein Krankenhausneubau, der auch noch in vier Jahrzehnten sich verändernden Bedürfnissen gerecht werden soll, erfüllen muss, erläutern Architekt Reto Gmür und Gesamtprojektleiter Alfredo Pergola vom Hochbauamt des Kantons Solothurn.

 

 

Das neue Bürgerspital von Nordosten aus gesehen
Das neue Bürgerspital von Nordosten aus gesehen

Reto Gmür, Ihr Entwurf hat international Beachtung gefunden.

Beim Bürgerspital-Projekt haben wir uns mit Bauherren und Nutzern darauf verständigt, neue Wege zu gehen und Bestehendes zu hinterfragen. Wir haben uns mit Typologien von Spitälern kritisch auseinandergesetzt und für das Bürgerspital einen zukunftweisenden, mit verschiedenen Vorzügen verbundenen Typ entwickelt. Im Mittelpunkt stehen die Patientinnen und Patienten. Für sie und um sie herum wird ein «offenes Spital» entstehen, das heisst unter anderem ein Ort, in dem sich der Patient leicht zurechtfinden kann.

 

Alfredo Pergola, wieso haben Sie auf die Sanierung des alten BSS verzichtet?

Das Hauptgebäude stammt aus den 1970er-Jahren, als rasch gebaut wurde. Die bautechnischen Mängel lassen sich nicht mehr übersehen. Rein technisch gesehen wäre eine Sanierung zwar möglich gewesen, allerdings hätten die Hauptprobleme des Altbaus – die aktuellen Erfordernissen nicht mehr entsprechende Statik, Raumanordnung und Erdbebensicherheit – damit nicht gelöst werden können. Eine Sanierung hätte betrieblich keine Verbesserung der Abläufe gebracht. Schritte zur Optimierung des Spitalbetriebs sind aber heute entscheidend.

 

Viel Glas, kaum tragende Wände, dafür 1000 Stützen mit Trägerfunktion: Welche Idee steckt hinter der vorgesehenen Bauweise?

Gmür: Sie erlaubt genau das, was für ein modernes und zukunftsweisendes Spital unabdingbar ist: Flexibilität. Das ist deshalb so wichtig, weil bereits während der Planung ständig neue Bedürfnisse entstehen können, auf die man beizeiten reagieren muss. Im inneren Bereich muss der Raum deshalb flexibel nutzbar bleiben, zudem müssen die Wege möglichst kurz sein. Was von der heutigen Planung 2020 noch Bestand hat, wissen wir nicht. Stehen aber Veränderungen an, lassen sich die nichttragenden Wände dank tragender Stützen schnell abreissen oder verschieben. Dank Glasfassade kann der Anteil an natürlichem Licht zur Beleuchtung der ganzen Raumtiefe deutlich erhöht werden.

Pergola: Es ist wichtig, Patientenbereiche, Wege und Haustechnik sauber voneinander zu trennen. So vermeiden wir Hindernisse oder Engpässe und fördern reibungslos verlaufende Prozesse. Dieser Ansatz ist möglicherweise anfangs mit einem grösseren Aufwand verbunden. Er garantiert jedoch eine anpassungsfähige Nutzung und den kostengünstigen Betrieb des Spitals.

 

 

Architekt Reto Gmür und Gesamtprojektleiter Alfredo Pergola
Architekt Reto Gmür und Gesamtprojektleiter Alfredo Pergola

Wie plant man ein neues Spital, das in fünf Jahren in Betrieb gehen und noch vier Jahrzehnte lang den Anforderungen gerecht werden soll?

Gmür: Neben der erwähnten Flexibilität ist es wichtig, die verfügbare Fläche in klar getrennte Bereiche für Untersuchungen, Betten oder etwa Büroräume einzuteilen. Benötigt werden Räume, die kurzfristig für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden können. Das bedeutet, dass wir uns nicht an individuellen Arztbedürfnissen orientieren dürfen, sondern standardisierte Räume schaffen müssen, die im gesamten Spitalbetrieb bestmögliche Abläufe gestatten.

 

Gemäss Projektbeschreibung bereichert eine «motivierende Raumgestaltung den Arbeitsalltag der Angestellten». Können Sie das näher erklären?

Gmür: Natürliches Licht ist im neuen BSS ausschlaggebend. Nicht nur die Mitarbeitenden verweilen und arbeiten lieber und mit höherer Motivation in so natürlich beleuchteten Räumen. Auch die Patienten fühlen sich wohler. Zudem sind in den oberen Bereichen natürliche Baustoffe wie Holz vorgesehen. Das trägt zu einer modernen, freundlichen und einladenden Atmosphäre bei.

 

Das neue BSS wird nur einen Steinwurf vom alten Spital entfernt liegen. Warum haben Sie diesen Standort gewählt?

Pergola: Wir befinden uns auf einem Areal, das der Kanton für öffentliche Bauten ausgewiesen hat. Allerdings wird nur ein Teil des BSS neu gebaut, nämlich das Behandlungs- und Bettenhaus, in dem die Kernaufgaben bewältigt werden. Altbauten bleiben erhalten, darunter das Gebäude, in dem Küche, Restaurant und Anlieferung untergebracht sind.

 

Wie reagierten die Anwohner, die zeitweise Baulärm ertragen müssen?

 Pergola: Sie sind schon sehr früh darüber informiert worden. Und zudem gab es schliesslich eine Volksabstimmung, bei welcher der vorgesehene Kredit grossmehrheitlich gutgeheissen wurde. Als bei einer Anwohnerinformation Bedenken hinsichtlich Baulärm geäussert wurden, haben wir aufgezeigt, wie wir vorgehen werden, um Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Zudem sind wir verpflichtet, die diesbezüglichen Auflagen des Amts für Umwelt einzuhalten. Der Aushub ist beendet, die Parkplätze haben wir verlegt, das sind schon wichtige Schritte. Nach unserer Erfahrung zeigen sich die Leute zufrieden.

 

Wie fügt sich das neue Spital ästhetisch in die umgebende Natur und ins Stadtbild ein?

Gmür: Als letztes Gebäudeensemble am Stadtrand schliesst es Solothurn gegen den Grünbereich und die landwirtschaftlichen Flächen ab. Zum BSS gehört der Spitalpark. Der wird durch den Neubau vergrössert und verschmilzt dann mit der Landschaft. Die gegliederte und bewusst abstrakt gehaltene Fassade soll nicht die Nutzung der dahinter befindlichen Räume abbilden. Sondern die Bedeutung als öffentliches Gebäude betonen, das mit der Stadt kommuniziert. Die Fassade mit einer räumlichen Tiefe wird ein Licht- und Schattenspiel ermöglichen, das sich im Tagesverlauf verändert.

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